28.01.2013, 16:03 Uhr | Auto-Medienportal.net
Unglaublich, aber wahr: Einen bis heute gültigen Geschwindigkeitsrekord auf öffentlichen Straßen stellte die deutsche Rennlegende Rudolf Caracciola vor 75 Jahren auf. Am 28. Januar 1938 erreichte "Karatsch", wie er liebevoll in der Öffentlichkeit genannt wurde, mit einem Mercedes-Benz W 125 Rekordwagen 432,7 km/h.
Rudolf Caracciola (1901-1959), damaliger Chefpilot der Mercedes-Benz Rennabteilung, fährt auf der Autobahn zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt exakt 432,692 km/h über einen Kilometer mit fliegendem Start. Außerdem wird mit 432,36 km/h der bestehende Rekord über die fliegende Meile eingestellt. Die Werte ergeben sich als Durchschnitt aus zwei Fahrten in entgegengesetzte Richtungen.
Für diese Hochgeschwindigkeitsfahrt trägt der Mercedes-Benz W 125 Rekordwagen eine aerodynamisch optimierte Karosserie. Der auf dem siegreichen Silberpfeil W 125 basierende Rekordwagen erhält für die Rekordfahrten nicht nur einen eigens weiterentwickelten Zwölf-Zylinder-Motor mit zwei Kompressoren, sondern auch eine flache, vollverkleidete Karosserie mit keilförmig auslaufendem Heck.
Die Ingenieure senken mit Hilfe von Windkanalmessungen den Luftwiderstandsbeiwert auf sensationelle 0,157. Dazu gehört auch ein radikal verkleinerter Lufteinlass an der Front. So atmet der Rekordwagen durch zwei kleine Öffnungen lediglich die Luftmenge, die der 5,6-Liter-V12-Motor vom Typ MD 25 DAB/3 zum Arbeiten benötigt. Die Motorkühlung hingegen kommt ohne Frischluft aus, stattdessen wird der Kühler von einem mit 500 Liter Eis und Wasser gefüllten Kasten umhüllt.
Selten lagen Triumph und Tragödie im Rennsport näher beieinander als an diesem 28. Januar 1938. Denn noch am gleichen Tag erschüttert eine Katastrophe den deutschen Rennsport: Bernd Rosemeyer stirbt bei dem Versuch, anschließend eben diesen Rekord von Rudolf Caracciola zu brechen. Als sicher gilt, dass Caracciola den acht Jahre jüngeren Rosemeyer vor seiner Fahrt noch gewarnt hatte. Er würde nicht mehr fahren, weil er auf einer Waldschneise bei Mörfelden Seitenwinde gespürt hätte.
Der am 14. Oktober 1909 geborene Rosemeyer fuhr ab 1930 Motorrad-Rennen auf NSU und DKW. 1935 kam er zur Auto Union Rennabteilung und gab sein Debüt am 26. Mai beim AVUS-Rennen in Berlin. Schon im ersten Jahr gewann Rosemeyer nach mehreren Podestplätzen den Großen Preis der Tschechoslowakei in Brünn. 1936 sollte dann das Jahr des Bernd Rosemeyer in der legendären Silberpfeil-Ära werden.
Auf dem Auto Union Typ C 16-Zylinder Rennwagen gewann er alle nur möglichen Titel: Europameister, Deutscher Straßenmeister und Deutscher Bergmeister. Im gleichen Jahr heiratete er die Fliegerin Elly Beinhorn (1907-2007). Sein Sieg beim Vanderbilt Cup in New York im Juli 1937 und beim ersten englischen Grand Prix in Donington im Oktober des gleichen Jahres machten ihn schließlich weltberühmt.
Im Oktober 1937 erzielte Bernd Rosemeyer bei Rekordfahrten auf der Autobahn Frankfurt-Darmstadt mehrere Weltrekorde. Er überschritt damals als erster Mensch die 400 Stundenkilometer-Grenze auf einer öffentlichen Straße. Für die Rekordfahrten im Januar 1938 brachte die Auto Union einen überarbeiteten Stromlinien-Rekordwagen mit 16-Zylinder-Motor (6,5 Liter, 545 PS) an den Start. Die theoretische Höchstgeschwindigkeit lag bei 456 km/h.
Bei einem ersten Versuch fuhr Rosemeyer 429 km/h schnell. Anschließend wollte Auto Union die Aktion abbrechen, aber Rosemeyer setzte gegen den Willen der Verantwortlichen einen weiteren Versuch durch. Auf der heutigen A5 zwischen Frankfurt und Heidelberg wurde Rosemeyers Auto bei einer Geschwindigkeit von knapp 440 km/h von einer Windböe erfasst. Der Wagen geriet von der Fahrbahn und überschlug sich mehrfach. Die Auto Union, die in Audi aufging, beteiligte sich danach nie wieder an Rekordfahrten.
Quelle: Auto-Medienportal.net
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