13.11.2012, 16:19 Uhr | Ulrich Feld, driver.de
Schade, dass der berühmteste Aston Martin-Fahrer der Welt niemals am Steuer eines Aston Martin DB7 gesessen hat. James Bond 007 am Steuer eines DB7 - das hätte schon von den Zahlen her wunderbar gepasst. Für die Firma Aston Martin passte der DB7 von seinen Zahlen dafür umso besser: Mit der Rekordzahl über 7000 verkauften DB7 war der Aston Martin bis zu seinem Produktionsende im Jahr 2003 das meistgebaute Auto des Herstellers überhaupt.
Kein Wunder bei diesem Blickfang von Karosserie: Linien von weicher, gestreckter Eleganz bestimmen das Bild des Aston Martin DB7, der eine gewisse Ähnlichkeit zum Klassiker Jaguar E-Type nicht verleugnen kann. Das ist kein Zufall: Ursprünglich hatte Designer Keith Helfet nämlich eine Karosserie für einen geplanten Nachfolger des Jaguar E-Type entworfen. Dann entschloss sich aber der damalige Jaguar- und Aston Martin-Eigner Ford, die klassische Aston Martin DB-Reihe aus den späten fünfziger und sechziger Jahren fortzuführen. Designer Ian Callum machte aus dem Jaguar F-Type mit wenigen Änderungen den Aston Martin DB7. Mit der Bezeichnung DB7 knüpfte Aston Martin bewusst an den bis 1970 gebauten DB6 an. Die Buchstaben DB entsprechen den Initialen des langjährigen Firmenbesitzers Davis Brown (1904-1993).
Auch der Kühlergrill ist eine Reminiszenz an die klassischen Vorgänger. Besonders mit dem feinmaschigen optional erhältlichen Gitter vor dem Grill macht der Aston Martin DB7 dem Betrachter deutlich, dass in dem eleganten Gentleman auch ein echter Sportler stecken will. Über sportliche Fähigkeiten und die entsprechende Figur sollte aber auch verfügen, wer sich eine Fahrt in diesem Auto gönnen will. Das Einsteigen gleicht eher einem Einfädeln. Der Jaguar E-Type lässt grüßen.
Das Cockpit vermittelt vor allem durch die wuchtige Mittelkonsole den Eindruck eines luxuriös ausstaffierten Séparées. Das Auge labt sich wie in einem Rolls Royce oder Jensen Interceptor an üppig verlegtem Leder und glänzendem Edelholz. Schnöde Schalter aus dem Ford-Regal inmitten der edlen Pracht wirken zwar nicht ganz stilecht, lassen sich aber verschmerzen. Die Rücksitze taugen bestenfalls für Kleinkinder. Besser sehen aber die von Aston Martin angebotenen edlen Reisetaschen darauf aus.
Auch unter der Motorhaube knüpfte der DB7 mit einen Reihensechszylinder-Motor zuerst bewusst an den DB6 an. Seinen mit 3,2 Litern fast 800 Kubikzentimeter kleineren Hubraum macht der DB7 durch einen Eaton-Kompressor wett. Er bringt die Maschine auf eine Leistung von 335 PS und den Aston Martin DB7 in fünfeinhalb Sekunden von Null auf Hundert und eine Höchstgeschwindigkeit von 265 km/h. Bei höherem Tempo lässt der Kompressor jedoch ein wenig reizvolles asthmatisches Pfeifen ertönen.
1999 warf Aston Martin darum mit einem sechs Liter großen und 420 PS starken Zwölfzylinder der Konkurrenz allgemein und besonders Ferrari den Fehdehandschuh hin. Klanglich hatte Aston Martin zum Rivalen aus Maranello aufgeschlossen. Schon durch seinen üppigen Hubraum bietet der Zwölfzylinder einen wunderbar malzigen dunklen Ton. Nachdrückliche Betätigung des Gaspedals belohnt die gewaltige Maschine mit einem energischen Grollen. Eine passende Geräuschkulisse zur schieren Kraft, die der Fahrer des Vantage genannten Aston Martin DB7 im Rücken verspürt. Während der Sechszylinder sich oberhalb von 200 km/h schon recht zugeschnürt gibt, scheint der Vorwärtsdrang des Zwölfzylinders sogar jenseits der 250 km/h kein Ende nehmen zu wollen. Die Höchstgeschwindigkeit eines Aston Martin mit V12 liegt bei sagenhaften 298 km/h.
Sportlicher im Sinne von handlicher und kurvengieriger wird der Aston Martin DB7 Vantage durch den Zwölfzylinder natürlich nicht. Er fühlt sich zwar schon durch sein knapper geschnittenes Cockpit mehr nach Sportwagen an als etwa der Ferrari 456, bietet aber schon durch seinem geschmeidigen Federungskomfort ein sehr ähnliches Fahrerlebnis. Und das auf Wunsch sogar ohne Dach: 1996 stellte Aston Martin die traditionell Volante genannte Cabrio-Version in Detroit vor. Das offene Dach passt zwar hervorragend zu den ruhigen Linien und dem souveränen Tourenwagen-Charakter des Aston Martin DB7, macht ihn aber für flotte Kurvenfahrten noch weniger geeignet als das Coupé. Wegen mangelnder Festigkeit beschränkte Aston Martin die Höchstgeschwindigkeit des offenen DB7 auf 266 km/h.
Durch die hohe Stückzahl und die Unterstützung durch Massenhersteller Ford ist ein Aston Martin DB7 ein vergleichsweise ausgereifter Exote. Rost ist außer bei schlecht reparierten Unfallschäden selten ein Thema. Zur Bauzeit des DB7 gab es allgemein schon einen guten Rostschutz, und harter Wintereinsatz blieb einem Aston Martin zumeist erspart. Ein guter Aston Martin kostet bis zu 60.000 Euro. Vergleichbare Cabriolets sind kaum teurer als Coupés. Käufer sollten aber unbedingt auf ein ausgefülltes Scheckheft achten: Ein Aston Martin DB7 nimmt jede Vernachlässigung übel und verlangt schon allein durch seine hohen Ersatzteil-Preise nach einem solventen Besitzer.
Quelle: Ulrich Feld, driver.de
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