15.03.2013, 09:01 Uhr | mid
Große Ehre für die klassisch gestaltete Honda CB 1100: Die Leser von "Motorrad", Deutschlands Motorrad-Magazin Nr. 1 haben die schöne Japanerin zum "Motorrad des Jahres 2013" gekürt. So wie die Honda CB 1100 sahen die schweren Motorräder früher aus, und ganz besonders die legendäre Honda CB750 Four.
Die Honda CB750 Four war bei ihrem Debut 1968 auf der Tokyo Motor Show das Motorrad schlechthin. Eine atemberaubende Maschine, die Maßstäbe setzte: die erste Maschine mit einem Reihenvierzylinder-Motor überhaupt, dazu mit knapp 68 PS, 4-in-4-Auspuffanlage, Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen. Und dazu auch noch das erste Motorrad mit Scheibenbremse.
An Leute, die in Erinnerungen schwelgen sowie ein jüngeres Publikum, das ein eigenständig gestaltetes, emotionales Motorrad sucht, richtet sich Hondas neuer Klassiker, die CB1100. Sie knüpft nahtlos an die Geschichte der CB750Four an. Herausragende Merkmale sind das luftgekühlte Vierzylinder-Triebwerk, der Rohrrahmen mit Stereo-Federbeinen und die vier-in-eins-Auspuffanlage.
Für ein lupenreines Retro-Design sorgen der Rundscheinwerfer, eine schlanke Linienführung am Tank, funkelnde Chrom-Schutzbleche, die klassische Zweimann-Sitzbank, aufrechte Sitzposition, ein hoher Lenker und die schräg gestellten, analogen Doppelinstrumente. Alles ist fast wie beim Vorbild aus den 70er-Jahren. Gleichwohl handelt es sich um eine durch und durch moderne Konstruktion mit Antiblockiersystem und Kombibremse mit zwei Bremsscheiben. Eine Elektronische Einspritzung und ein geregelter Katalysator sind selbstverständlich mit an Bord.
"Es musste ein luftgekühlter Motor sein", sagt Hirofumi Fukunaga, der seit 1977 bei Honda so etwas wie der Pate des Vierzylindermotors und die treibende Kraft hinter der neuen CB1100 ist. Damit der Motor eventuell nicht doch einmal zu heiß wird, haben ihm die Techniker eine ausgeklügelte, separate Ölkühlung um die Zylinderköpfe verpasst. Die jetzt in Valencia erstmals der Presse präsentierte 1100er gibt es eigentlich schon seit drei Jahren, allerdings bisher nur in Japan, Australien und Neuseeland. Jetzt endlich erhörten die Japaner auch den Ruf der europäischen und amerikanischen Fans nach dem modernen Klassiker.
Herzstück ist selbstverständlich der Reihenvierzylinder mit 1140 Kubik, der mit 90 PS etwas mehr Leistung und mit 93 Newtonmetern mehr Drehmoment als die Japan-Version besitzt. Verändert wurden zudem die Einspritzanlage und der Schalldämpfer. Es ist auf keinen Fall ein Spitzensportler. "Die CB1100 ist ein Motorrad", meint Hirofumi Fukunaga, "mit dem wir in Japan, bevor wir uns an den Frühstückstisch setzen, noch schnell eine entspannte Runde um die Häuser ziehen. Es weckt Emotionen und soll einfach Spaß machen."
Das Aufsitzen entspannt schon. Die moderate Sitzhöhe von 795 Millimetern passt selbst kleinen Personen. Dabei entsteht nicht der Eindruck , auf einem mächtigen Big-Bike Platz zu nehmen, sondern auf einer Mittelklasse-Maschine mit 600 Kubik Hubraum, so kompakt präsentiert sich der Neuling. Die 1100er ist extrem handlich, denn bei einem Radstand von 1490 Millimetern sind Wendemanöver selbst auf schmalen Wegen in einem Zug erledigt. Der hohe Lenker und die recht tief angeordneten Fußrasten sorgen für eine sehr aufrechte, bequeme Sitzposition.
Das Cockpit mit den beiden Rundinstrumenten für Geschwindigkeit und Drehzahl und einem kleinen Digitaldisplay dazwischen hat der Fahrer gut im Blick. Die Rückspiegel bieten einen ausgezeichneten Blick nach hinten und die Armaturen sind leicht zu bedienen. Beim Druck auf den E-Starter erklingt aus dem rechts angeordneten Schalldämpfer ein sonorer, fast schon unauffälliger Sound. Da klang die alte CB750 Four schon noch anders. Wer es prägnanter mag, wird demnächst sicherlich im Zubehörhandel fündig. Das gilt genauso für die Räder. Die schmalen 18-Zöller sind nicht schlecht, aber richtige Speichenräder würden ihr noch besser stehen.
Ab 3000 Umdrehungen pro Minute zieht der Vierzylinder richtig ab. Gleichmäßig und mit einer auch für weniger geübte Fahrer beherrschbaren Kraftentfaltung dreht der Motor locker in den 8000er-Bereich. Um flott aus den Ecken herauszukommen, dürfen die Drehzahl allerdings nicht zu sehr in den Keller rauschen, auch wenn das weich arbeitende Fünfganggetriebe zu Schaltfaulheit verleitet.
Ohnehin macht das frühe Aufsetzen des Hauptständers einer zu aggressiven Fahrweise bald ein Ende. Die CB1100 mag eine flüssige, gleichmäßige Fahrweise, sie ist eher ein Standard-Tänzer als ein Rock 'n' Roller. Wobei das Fahrwerk aus Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, 41er Showa-Telegabel, Stahlschwinge und zwei in der Federbasis verstellbaren Federbeinen hinten auch härteren Anforderungen gewachsen ist. Bodenwellen und Schlaglöcher bringen die Honda kaum aus der Ruhe.
Außer an der entspannten Fahrweise wird sich der CB-Fahrer vor allem an den bewundernden Blicken der Zweirad-Kollegen erfreuen, die sich zunächst einmal wundern, wie gut so ein "Oldtimer" doch mit ihren modernen Bikes mithalten kann. Honda hat es geschafft, bei der CB1100 die traditionelle Gene bei zu behalten, ohne dabei die moderne, leicht zu beherrschende Technik aus den Augen zu verlieren. So ist dann auch ein Listenpreis von 10.990 Euro ein gutes Angebot. Die CB1100 steht ab Februar beim Honda-Händler.
Quelle: mid
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