26.11.2012, 16:47 Uhr | mid
Ihre Weltpremiere feierte die neue Moto Guzzi California 1400 kürzlich auf der Mailänder Messe unweit des Firmensitzes in Mandello del Lario am Comer See. Die neue California stellt einen Rekord auf: Sie ist die Moto Guzzi mit dem bisher größten Motor.
Die Geschichte der legendären Guzzi reicht zurück bis ins Jahr 1968, als Moto Guzzi sich mit einer V7 für den Einsatzdienst des Los Angeles Police Departement (LAPD) bewarb. Im Jahre 1970 erhielt das Modell V7 750 den offiziellen Zuschlag, ein Jahr später verliehen ihr die Guzzi-Verantwortlichen den Zusatz "California".
Jetzt erreicht das traditionsreiche Touren-Flaggschiff der Marke mit dem Adler nach sieben Generationen eine neue Evolutionsstufe: Die Moto Guzzi California 1400 wird es künftig in einer Touring-Ausführung mit Koffern, Windschild und wuchtigen Zusatzscheinwerfern sowie als Custom-Version geben.
Obwohl kein einziges Bauteil von den Vorgängern übernommen wurde, haben die Designer die klassische Linie beibehalten. Auch die Touring-Version der 2013er California ist sofort als solche auszumachen. Markante Styling-Merkmale wie die Chromreling, der bauchige Tank, die Mehrspeichen-Räder und die fest montierten Koffer sind Markenzeichen der California. Moderne Stilelemente wie die doppelte LED-Rücklichtleiste oder der ovale Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht transportieren den Entwurf in die Neuzeit.
Trotz der Länge, mit der die Guzzi von der Seite beeindruckt, ergibt sich beim Aufsitzen auch für Normalgroße ein sehr lässiges Ambiente: Die komfortable Sitzbank bietet dem Hinterteil guten Halt, die Füße ruhen bei entspannten Kniewinkeln auf den Trittbrettern und der Geweihlenker ist gut erreichbar. Beim Druck aufs Knöpfchen schüttelt sich der mächtige Motor wie eh und je. Die California kommt mit einem komplett neuen, weiterhin luftgekühlten V2-Motor, der seine beiden Zylinder im 90-Grad-Winkel in den Fahrtwind streckt. Mit 1380 Kubikzentimeter ist der Twin der California der größte Guzzi-Motor. Er mobilisiert 96 PS und stellt bereits bei 2750 Umdrehungen mächtige 120 Newtonmeter Drehmoment parat. Gasbefehle erfolgen per Ride-by-wire-System, das die drei Fahrmodi Regen, Touring und Sport und eine dreistufige Traktionskontrolle ermöglicht.
Ein neues, per Schaltwippe betätigtes Sechsgang-Getriebe mit Overdrive sowie eine leichtgängige Kupplung sorgen für standesgemäßes Vorankommen: Nach dem mit lautem "Klonk" eingelegten ersten Gang schiebt die Moto Guzzi California sanft, aber nachdrücklich voran. Frühes Hochschalten macht Hektik überflüssig, dieses Motorrad fühlt sich zwischen 2500 und 4000 Touren am wohlsten. Weiteres Hochdrehen bleibt ohne Effekt, von der zunehmenden Geräuschkulisse abgesehen. Genussvolles Gleiten ist angesagt. Der neue Kardanantrieb verrichtet seine Arbeit zuverlässig, aber nicht ganz unauffällig. Insbesondere im Sport-Modus sind Lastwechselreaktionen nicht zu vermeiden. Dafür eliminiert ein neuer Rahmen mit innovativer Motorlagerung sämtliche Vibrationen während der Fahrt. Im Stand dagegen lässt diese Konstruktion die mechanischen Lebensäußerungen zu, was ein Gefühl von urwüchsigem Potenzial vermittelt.
Die gewaltige Erscheinung mit einem Radstand von 1665 mm ist beeindruckend: Vollausgestattet bringt die Touring 337 Kilogramm auf die Waage. Dank niedriger Sitzhöhe von 740 Millimeter lassen sich diese an der Ampel gut kontrollieren. Schon nach dem Anrollen verliert das Gewicht seinen Schrecken. Durch die moderate Vorderraddimensionierung fährt sich das Flaggschiff recht präzise und neutral. Auf sanft gewundenem Asphalt biegt die Guzzi freudig in die Radien und überrascht mit einer Handlichkeit, die man ihr nicht zugetraut hätte. Erst in engen Kehren machen sich die Pfunde bemerkbar und der Fahrer muss mit Körpereinsatz die Linie halten. Der hohe Fahrkomfort steht dem Tourer gut zu Gesicht, Fahrbahnunebenheiten schlucken die sensiblen Federelemente sauber weg, nur harte Stöße landen trocken bei der Besatzung.
Ein Bosch-ABS der jüngsten Generation perfektioniert die Brembo-Bremsanlage, bei der kräftige Vierkolben-Radialzangen die Hauptarbeit übernehmen, während der hintere Stopper nicht richtig zum Zuge kommt. Weitere Reisequalitäten bietet die California mit fest angebrachten und gut beladbaren 35-l-Seitenkoffern und einem sehr guten Windschutz. Allerdings liegt je nach Körperlänge der obere Rand der Scheibe voll im Blickfeld und verzerrt den Blick nach vorn. Die ab März erhältliche puristische Custom kommt ohne Scheibe, Koffer, Scheinwerfer und Chromzierrat.
Sehr ordentlich bis ins Detail fällt die Verarbeitung aus, so dass die umfangreiche Modernisierung des Klassikers rundum gelungen ist. Allerdings zu einem Preis von 19.600 Euro, der den Faktor "Luxus" besonders betont.
Quelle: mid
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