01.02.2013, 10:29 Uhr | dpa
Die Temperaturen liegen um den Gefrierpunkt und ein frostiger Wind weht durchs Lager der Winter-Biker. Im Zelt der Brüder Robert und Franz Kurth ist es aber gemütlich warm. Ein Schweizer Armee-Klappofen verbreitet Wohlfühltemperatur. Strohballen dienen als Sitzecken und Bett. "Dann kommt die Kälte von unten nicht so hoch", sagt Robert Kurth.
Der 48-Jährige aus der Nähe von Fürth ist schon zum 20. Mal beim derzeit in Thurmansbang im Bayerischen Wald stattfindenden Elefantentreffen dabei. "Da weiß man langsam, was man alles für ein bisschen Luxus braucht." Der Ofen gehöre definitiv dazu, ebenso wie eine Motorsäge zum Zerkleinern der Holzscheite und eine Schaufel zum Schneeschippen.
"Wer ankommt, der schaufelt erstmal zwei Stunden den Schnee weg, bevor er sein Zelt aufstellen kann. Das ist schon ein echtes Ritual geworden", erzählt Robert Kurth. Dieses Ritual bleibt den Bikern nicht erspart, die schon Tage vor dem Treffen angekommen sind. Die letzten Kilometer zum sogenannten Hexenkessel haben es in sich, vor allem an Tagen wie diesen.
Während der Rest der Republik sich über frühlingshafte Temperaturen freut, versinkt der Talkessel, in den der Bundesverband der Motorradfahrer eingeladen hat, unter einer dicken Schicht Neuschnee. Sie bedeckt auch die schmalen Wege und Straßen, die steil bergauf zum Winterlager führen. "Bei so einem Wetter wie heute braucht man für die letzten sieben Kilometer ein paar Stunden", sagt Robert Kurth aus eigener Erfahrung. Die beiden Brüder sind mit ihren 21-PS-starken Gespannen angereist. "Es gab Winter, da hab' ich mein Gespann heraufgeschoben", erzählt der 48-Jährige. Wer Glück hat, wird von einem Bauern mit dem Traktor hochgeschleppt.
Während die beiden Brüder beim Schneechaos im warmen Zelt sitzen können, sieht das bei ihrer Campingnachbarin Tanja Wasmeier aus Plattling anders aus. Dick eingepackt in mehrere Lagen sitzt die 32-Jährige am Lagerfeuer, um sich ein wenig aufzuwärmen. "Man lernt die Annehmlichkeiten zu Hause wieder viel mehr schätzen, zum Beispiel eine warme Dusche", sagt sie.
Sie will wie ihre beiden Nachbarn eine komplette Woche hier draußen campen, obwohl das Elefantentreffen selbst nur drei Tage dauert. Warum sich das lohnt, erklärt Franz Kurth: "Hier hast du eine ganz besondere Atmosphäre. Dieses Flair findest du bei einem Sommertreffen nicht." Der 30-Jährige schätzt besonders die Internationalität des Treffens und das gemütliche Beisammensitzen abends in den Zelten und an den Lagerfeuern.
Livemusik oder ein Festzelt gibt es nicht. Hier gehe es vielmehr darum, mit vielen Leuten ins Gespräch zu kommen. "Das Schöne ist auch, dass hier alle gleich sind, egal welchen Beruf sie haben", betont Robert Kurth. Er selbst ist Konstrukteur, sein jüngerer Bruder promovierter Ingenieur. Das spielt an diesen Tagen aber ebenso wenig eine Rolle wie die Marke der Maschine, die Nationalität oder der Geldbeutel.
Viele internationale Freundschaften hat auch Horst Orlowski auf den Elefantentreffen geschlossen. Besonders gut kann er sich noch an den spannenden Moment erinnern, als der Eiserne Vorhang in Europa fiel und zum ersten Mal Motorradfahrer aus der DDR, Tschechien und Russland zum Treffen kamen und man sich ungezwungen kennenlernen konnte. Für den 75-Jährigen aus Remscheid in Nordrhein-Westfalen ist es das 45. Wintertreffen. Mit dabei ist auch seine Frau Christel (77). Beide gönnen sich aber anders als die meisten Besucher ein Zimmer im Umkreis.
Obwohl viele Nationen aufeinandertreffen und 5000 Menschen im Hexenkessel auf engstem Raum zusammen sind, verläuft das Elefantentreffen im Bayerischen Wald immer friedlich. Das kann die Polizei Grafenau bestätigen. Viele Polizisten der Dienststelle sind selbst passionierte Motorradfahrer. So auch Richard Blöchinger, der eine 1200er BMW fährt. Seit 18 Jahren erlebt der Polizeioberkommissar das Elefantentreffen hautnah mit. "Alle fahren wirklich sehr vernünftig und Unfälle gibt es wirklich nur selten." Damit dies auch so bleibt, kann er jedem nur raten, vorausschauend zu fahren - er selbst aber lässt seine Maschine im Winter lieber in der Garage.
Quelle: dpa
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