18.12.2012, 14:57 Uhr | mid
In keinem anderen Segment sind die Verkaufszahlen so rückläufig als in der Klasse der 600er Supermotorräder. Das will der britische Motorradhersteller Triumph nun ändern und bringt eine Neuauflage seiner gut ausgestatteten Daytona 675 auf den Markt. Ebenso kommt ein zusätzliches R-Modell mit Dreizylindermotor.
Die Triumph Daytona 675 gibt es ab Januar als 11.890 Euro teure Standard- wie als hochwertigere mit ABS und Öhlins-Federelementen ausgestattete R-Version (13.690 Euro) mit neuem Fahrwerk, frischer Optik sowie einem komplett neuen Motor. Unterm Strich ist die neue Daytona 1,5 Kilogramm leichter als das Vorgängermodell, bietet mehr Leistung, ein breiteres nutzbares Drehzahlband und eine neue Gewichtsverteilung.
Trotz gleichen Hubraum ist beim Motor keine Schraube auf der anderen geblieben. Eine größere Bohrung und ein kürzerer Hub ermöglichen eine höhere maximale Drehzahl von 14.400 Umdrehungen pro Minute. Dazu war eine komplette Motorenneukonstruktion erforderlich.
Der neue Motorblock ist zweiteilig ausgeführt: Die Zylinderbank ist vom Kurbelgehäuse getrennt und weist keramik beschichtete Laufflächen auf. Das macht den Motorblock stabiler, damit er den höheren Drücken standhalten kann. Die maximale Leistung steigt um drei PS auf 128 PS und steht früher zur Verfügung. Dazu ist sie über einen größeren Drehzahlbereich mit höherer Maximaldrehzahl abrufbar. Das Drehmoment konnte über das gesamte Drehzahlband gesteigert werden, maximal liegen jetzt 75 Newtonmeter an.
Augenfälligste Neuerung neben der schärfer gezeichneten Verkleidung ist aber die neue Auspuffanlage, die sich jetzt unter dem Motor und nicht mehr unter dem Soziussitz befindet. Die Massen werden dadurch zentralisiert bei klarer Gewichtsverlagerung nach vorn.
Beides sind Schlüsselmerkmale für das ausgesucht handliche Fahrverhalten, mit dem die 2013er Daytona R auf der technisch hochanspruchsvollen Rennstrecke von Cartagena beeindruckt hat. Die schlanke Engländerin meistert alle mit Bravour. Selbst Korrekturen in tiefer Schräglage gehen leicht von der Hand. Rasiermesserscharf hält der agile Triple die anvisierte Linie trotz leichter Bodenwellen.
Unter soviel Handlichkeit und Agilität müsste doch die Stabilität leiden, sollte man meinen. Doch die clever gewählte Lenkgeometrie sorgt dafür, dass die 675R auch bei hohen Geschwindigkeiten sehr stabil bleibt. Natürlich tragen auch die edlen voll einstellbaren Federelemente ihren Teil dazu bei und liefern viel Feedback und eine satte Straßenlage.
Doch die Fahrt mit der neuen Daytona macht erst der Dreizylindermotor so einmalig. Schon ab der Drehzahlmitte begeistert der Triumph-Triple mit sattem Vortrieb, der sich mit zunehmender Drehzahl linear steigert. Mit dem serienmäßigen Schaltautomaten lassen sich die Gangwechsel im Sechsganggetriebe unter voller Last im Millisekundentakt vollziehen. Erst bei 14.400 Umdrehungen setzt der Begrenzer dem Treiben ein Ende. Schon ab 4000 Umdrehungen stellt der 675er-Drilling ein ernsthaftes Überholpotenzial für den reinen Straßenbetrieb bereit, die Gasannahme bleibt unter allen Umständen sanft, kein Lastwechselschlag, keine verzögerte Gasannahme trüben den tollen Eindruck. Und als besonderen Bonus bietet der Motor ein charakteristisch knurrendes Ansauggeräusch.
Geht es dann doch einmal zu schnell in die Ecke, helfen die neuen, noch leichteren Brembo Monoblock-Festsattelzangen und die Antihopping-Kupplung aus der Bredouille. Mit guter Dosierbarkeit und hervorragender Wirkung bescheren sie ein äußerst präzises Bremsgefühl. Das abschaltbare ABS gehört zur Serienausstattung der "R" und bietet einen speziellen Race-Modus: Dabei greift das System bei trockenem Belag extrem spät ein, so dass die Hinterhand beim herzhaften Anbremsen abhebt. Eine "Stoppie-Kontrolle" hat die Daytona in diesem Modus nicht.
Mit ihrer gelungenen Kombination aus bester Agilität, homogener Leistungsentfaltung und hochwertiger Ausstattung unterstreicht die Triumph Daytona 675R die Daseinsberechtigung der Supersportklasse. Auch wenn der Beweis dafür mit 13.690 Euro nicht gerade billig ausfällt.
Quelle: mid
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